Preise für Gehaltskonto stabil, Spesen teurer
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AK Bankenmonitoring
Die Kontokosten bei den Gehaltskonten sind seit Dezember 2010 im Großen und Ganzen stabil geblieben. Aber: Es gibt einzelne kräftige Ausreißer bei den Kassaspesen. Das zeigt ein AK Bankenmonitoring bei 13 Banken und 689 Einzelpreisen. So haben sechs Banken seit Dezember 2010 keine Preis- und Gebührenerhöhungen vorgenommen. Vier haben an einer Preisschraube gedreht, drei an mehr als einer – und das oft üppig.
- Wer hat an der Preisschraube gedreht, wer nicht?
- Gehaltskonto: So mickrig sind die Habenzinsen, so teuer die Überzugszinsen
- Teure Nebenspesen am Gehaltskonto
- Was die AK fordert
- Tipps, damit mehr am Konto bleibt
Wer hat die Preise nicht erhöht?
6 der 13 Banken haben von Dezember 2010 bis Mai 2011 keine Preis- oder Gebührenerhöhungen vorgenommen:
Bank Austria, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Wiener Spar- und Kreditinstitut, Santander Bank, IngDiBa und livebank.at.
- Die Erste Bank hat Bareinzahlungsspesen mit Zahlschein auf ein institutsfremdes Konto von 3,50 auf 4,70 Euro angehoben (das ist um 34,3 Prozent mehr).
- Die Volksbank Wien schraubte die Spesen für die Barauszahlung an der Kassa von 70 auf 80 Cent in die Höhe (plus 14,3 Prozent).
- Die Generali Bank erhöhte die Jahresgebühr der Bankomatkarte (plus 2,42 Prozent teurer).
- Die easybank stellte einen Aktionspreis bei den Spesen im Wertpapiergeschäft wieder auf den Normalpreis um.
- Die BAWAG PSK hat einige wenige Preise (Kassageschäfte) deutlich erhöht. Die Kosten für eine Barauszahlung an der Kassa stiegen von 52 Cent (BAWAG) bzw. 60 Cent (PSK) auf einen Euro pro Auszahlung (plus 92,3 Prozent bzw. plus 67 Prozent).
- Die Hypobank für Niederösterreich und Wien hat einige Preise für Kassageschäfte, aber auch für Privatkredite geändert. Die Spesen für eine Barauszahlung an der Kassa stiegen von einen Euro auf 1,50 Euro (plus 50 Prozent). Am kräftigsten wurden die Kosten für Ratenplanänderungen und Ratenstundungen bei Privatkrediten angehoben, nämlich um die Hälfte (von 100 auf 150 Euro pro Transkation).
- Bei der bankdirekt.at wurden gleich neun Preise erhöht: Die Mahnspesen bei Kontoüberziehung stiegen um 2,3 Prozent an. Auch die Spesen für Dauerauftragsänderungen (von 2,05 Euro auf 2,10 Euro) oder die Nichtdurchführung eines Dauerauftrages, wenn das Konto im Minus ist (von 10,10 Euro auf 10,48 Euro) wurden zwischen 2,4 Prozent und 3,8 Prozent erhöht.
Dauerproblem teures Gehaltskonto
Dauerprobleme bei den Gehaltskonten sind nach wie vor niedrige Guthabenzinsen, hohe Überziehungszinsen und teure Nebenspesen, kritisiert die AK.
Dürftige Guthabenzinsen, hohe Überziehungszinsen
Wer sein Konto überzieht, zahlt ganz schön drauf. Durchschnittlich zahlen die Konsumenten 9,5 Prozent an Minuszinsen am Gehaltskonto. Das zeigt der laufende Vergleich über die Kosten der Girokonten vom AK Bankenrechner bei 40 Girokontoprodukten von 20 Wiener Banken.
Die Überziehungszinsen (innerhalb des Kontorahmens) machen im günstigsten Fall vier Prozent aus (Hypo Alpe Adria Bank mit Hypo Classic Konto und Hypo VIP Konto). Im schlimmsten Fall kostet ein Minus am Konto bis zu 13,25 Prozent (BAWAG PSK mit KontoBox Basis, KontoBox online; UniCredit Bank Austria mit ErfolgsKonto, ErfolgsKonto Plus, ErfolgsKonto Premium, ErfolgsKonto Gold). Wer über seinen vereinbarten Kontorahmen überzieht (in der Regel drei Gehälter), zahlt nochmals saftige „Strafzinsen“ von bis zu fünf Prozent drauf.
Wo gibt es die höchsten, wo keine Guthabenzinsen?
Wer auf seinem Gehaltskonto im Plus ist, bekommt dafür nicht wirklich viel an Zinsen. Durchschnittlich gibt es 0,125 Prozent. Keine Guthabenzinsen gibt es bei der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV-Kompakt, BTV-Dynamik, BTV-Gehaltskonto, BTV-Prestige). Die „höchsten“ Guthabenzinsen mit einem Prozent gibt es bei der easybank (easy Konto) und der RLB NÖ-Wien (Raiffeisen Konto XL PLUS).
Beispiel für Konto "im Plus" und Konto "im Minus"
Wie sich die Zinsen auf die „wirklichen“ jährlichen Kontokosten auswirken, zeigen zwei modellhafte Beispiele:
"Im Plus":
Ein Normalnutzer mit einem „Konto immer im Plus“ und einem angenommenen durchschnittlichen Guthaben von 750 Euro am Konto, erzielt einen jährlichen Nettozinsertrag von 0,703 Euro (!), wenn der durchschnittliche Habenzinssatz von 0,125 Prozent verrechnet wird.
"Im Minus":
Hingegen wird ein Normalnutzer mit einem „Konto immer im Minus“, der sein Konto im Schnitt mit 1.500 Euro überzogen hat (wofür ein durchschnittlicher Überziehungszinssatz von 9,5 Prozent angelastet wird), kräftig zur Kasse gebeten: Alleine Zinsen für die Kontoüberziehung belaufen sich auf rund 142,50 Euro pro Jahr.
Fazit:
Ein Kontoinhaber stets im Plus kann seine tatsächlichen Kontokosten durch gutgeschriebene Habenzinsen nicht vermindern. Hingegen beim Kontoinhaber im Minus können die jährlichen Kontokosten durch die Überziehungszinsen und sonstige Nebenspesen (Verzugskosten, Zahlungsverkehrsspesen) kräftig in die Höhe geschraubt werden.
- Hohe Zahlscheinspesen: Eine Überweisung mit Zahlschein von der Hausbank zu einer „fremden“ Bank kostet durchschnittlich 3,40 Euro Spesen (Bandbreite zwei bis sieben Euro).
- Hohe Spesen bei Rückbuchung des Lastschriftauftrages: Empfindlich teuer ist es, wenn das Konto nicht gedeckt ist und ein automatischer Zahlungsauftrag (etwa Dauerauftrag) nicht durchgeführt wird. Die Spesen für einen nichtdurchgeführten Zahlungs- oder Abbuchungsauftrag machen 1,75 Euro bis 10,48 Euro aus – im Schnitt 6,50 Euro.
- Hohe Mahnspesen bei Minus am Konto: Auch Mahnspesen können ins Geld gehen. Ist das Konto nicht gedeckt und flattert ein Mahnschreiben ins Haus, dann kann diese Zahlungserinnerung zur Kontoabdeckung dem Kontoüberzieher zwischen 4,65 Euro und 50 Euro kosten.
Mehr Transparenz
Die Konsumenten brauchen bei den Bankgeschäften mehr Klarheit. Die Preise und Spesen müssen gerecht sein. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Bankangestellten unter einem massiven Verkaufsdruck stehen. Wichtig ist deshalb für die Angestellten eine transparente Produktgestaltung und eine auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Beratung anstelle von Hochdruckverkauf. Die AK wird die Banken weiterhin genau im Auge behalten.
Die AK fordert:
1. Zinsanpassungsklauseln für Soll- und Habenzinsen auch bei Girokonten:
Der zumeist angebotene Zinssatz für Guthaben von 0,125 Prozent pro Jahr hält sich bereits seit vielen Jahren auf diesem niedrigen Niveau. Ebenso sind die Sollzinsen bei Girokonten unverändert hoch. Eine Anpassung an die Geldmarktzinsen ist längst überfällig. Es ist für Kontoinhaber wichtig, dass auch Zinsgleitklauseln bei Girokonten – so wie im Kredit- und Sparbereich – für eine klare Preisanpassung sorgen.
2. Preisaushang ins Internet:
EU-Kommissar Michel Barnier hat europäische Banken bereits 2010 zu mehr Transparenz bei Kontospesen aufgefordert. Die AK will, dass der Preisaushang im Internet abrufbar sein soll, damit der Spesen-Dschungel gelichtet und die beanstandete mangelnde Vergleichbarkeit bei Kontospesen verbessert wird.
3. Mehr Preisklarheit bei Konten mit Einzelpreisen:
Bei Konten mit mehreren Zeilengebühren („differenzierte Preisgestaltung“) sollen die Preise pro Transaktion dem Kunden auf einem Preisblatt mitgeteilt werden (etwa bei der Kontoeröffnung).
4. Mehr Klarheit bei Buchungskosten bei Pauschalkonten:
Kunden brauchen Klipp-und-Klar-Infos, wie viel einzelne Transaktionen kosten. Die unterschiedlichen Leistungen in Pauschalpaketen machen einen Vergleich schwer.
5. Recht auf ein Girokonto
Jeder Verbraucher soll einen gesetzlichen Anspruch auf ein Girokonto haben. Rund 150.000 Österreicher haben kein Girokonto. Wer kein Konto hat, hat oft schon Schwierigkeiten eine Beschäftigung zu finden. Denn ein Konto ist dafür oft Voraussetzung. Initiativen der BAWAG PSK (Neue Chance Konto), Bank Austria (Erfolgskonto light) und der Erste Bank (Zweite Sparcasse – Spezialkonten für Klienten von sozialen Einrichtungen) sind erfreulich, können das Problem aber insgesamt nicht beseitigen – daher braucht es gesetzliche Regeln für ein Girokonto auf Guthabenbasis für jeden.
- Verhandeln Sie die Zinsen für Guthaben und Überziehungen am Girokonto.
- Sind Sie mit Ihrem Konto länger im Minus, fragen Sie nach dem Überziehungszins und Überziehungsrahmen.
- Bei langen Kontoüberziehungen überlegen Sie auf einen Privatkredit umzuschulden – das kann billiger kommen.
- Minus am Girokonto, beachten Sie: Wird der Dauer- oder Einziehungsauftrag nicht durchgeführt, kann das bis zu zehn Euro kosten. Ändern Sie eventuell den Durchführungszeitpunkt, etwa wenn der Gehalt eingeht.
- Vermeiden Sie teure Bareinzahlungen am Schalter. Günstiger ist jedenfalls die Überweisung von Ihrem Girokonto.
- Bei Konten mit Pauschalverrechnung: Pauschal ist nicht pauschal. Prüfen Sie, ob alle oder nur ganz bestimmte Buchungen kostenlos sind.
- Kontoauszüge über Kontoauszugsdrucker sind kostengünstiger als periodische Kontoauszüge, die am Schalter bereitgestellt werden!
- Kontrollieren Sie Ihre Kontoauszüge regelmäßig und reklamieren Sie sofort Fehler. Ein Einspruch muss gemäß Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken innerhalb von zwei Monaten schriftlich erfolgen.
- Nutzen Sie den AK Kontovergleich: Das günstigste Girokonto, die besten Sparzinsen finden Sie mit dem AK-Bankenrechner.
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Infobox
Downloads
- Erhebung: Was Gehaltskonten kosten (pdf/506kb)
- Bankenmonitoring 2011 (pdf/308kb)
- FAQs zu Neuabschlüssen von Girokonten (pdf/186kb)

